Sahara 2017



1. Etappe:  Von Chemnitz bis zum Mittelmeer

 

1. Tag      09.09.2017   Chemnitz - Ingolstadt   370km

 

In die Sahara sollte meine Reise also nun gehen! Das waren meine ersten Gedanken als ich aufwachte und meine Augen langsam aufgingen. Aufbruchstimmung? Die hatte ich gerade irgendwie überhaupt nicht. Ehrlich gesagt wollte ich erst einmal ein paar Tage auf einer Wiese liegen und meine Eindrücke aus China verarbeiten, wo ich vor 10 Tagen war. Unter der Dusche dachte ich über meine geplante Tour nach. Welche Menschen werde ich wohl treffen und ob ich gesund zurückkomme? Fragen die ich erst beantworten kann, wenn ich wieder hier bin.

 

7 Uhr. Es ist Samstag und ich stehe mit einem komischen Gefühl am Karl-Marx-Monument. Jetzt geht meine Reise wirklich los! Ich schalte meine Lieblingsmusik ein und fahre in Richtung Süden. So langsam komme ich nun in Stimmung für das Abenteuer, für das Ungewisse. Ich freue mich auf alles was passieren soll und kann nicht glauben, was ich tatsächlich vorhabe. Alleine knatter ich durch die ländliche Stille. Kurz vor Zwickau kommt mir im morgendlichen Nebel eine kleine Gruppe Simsonfahrer entgegen. Wir grüßten uns und ich frage mich: "Was dachten die sich jetzt wohl, als sie mein vollgepacktes Moped gesehen haben...?"

"Freistaat Sachsen" - Nun stand ich vor dem Schild. Es bedeutete, dass ich jetzt meine Heimat verlasse und erst im Oktober wieder an dieser Stelle stehen würde, mit neuen Erinnerungen im Gepäck.  Ich sagte mir beim Fahren immer wieder "Afrika, du willst nach Afrika!" Das war alles so verrückt, dass ich es noch nicht begreifen konnte. Mein Tagesziel war Ingolstadt. Dort wollte ich bei meinem Bruder übernachten und bei der Geburtstagsfeier seiner Freundin dabei sein. Es hatte ab der Grenze zu Bayern nur noch geregnet. Ich war schon komplett durchgefroren und kämpfte mich mühsam die Straßen entlang. Ich kam mit zwei Stunden Verspätung endlich an. Wir feierten in einem Wirtshaus und um Mitternacht fiel ich nach 370km nur noch ins Bett und schlief sofort ein. Das sollte die längste Tagestour meiner Reise gewesen sein.

 

2. Tag   10.09.2017   Ingolstadt - Tübingen   261km

 

Weißwurst mit Brezeln - Es ist gerade mal 6 Uhr und ich bin vollgestopft mit Essen. Mein Tagesziel war Tübingen, ich war sehr gespannt. Es regnete als ich zum Abschied meinem Bruder winkte und in die Dunkelheit davon fuhr. Kurz vor Ulm begann der Regen langsam zu verschwinden, zum Mittag stand ich am Ulmer Münster und die Wolkendecke brach endlich auf. Ich fuhr nach einer kleinen Stärkung weiter in Richtung Tübingen. Dort wollte ich mich mit einem Kollegen treffen, der zufälligerweise in der Nähe war. Wir verabredeten uns auf dem Marktplatz. Die Innenstadt von Tübingen überraschte mich: es war eine wunderschöne Altstadt mit Fachwerkhäusern, dass hätte ich nie erwartet. Tobi, mein Kollege wartete bereits auf mich, als ich ankam. Wir schlenderten zusammen durch die Gassen, das Moped stets an meiner Seite. Ich wollte aus zwei Gründen nach Tübingen: zum einen um mir die Stadt anzusehen. Zum anderen gibt es dort ein Reisebüro namens Overcross, welches mich 2017 als Azubi anwerben wollte. Verschiedene Gründe brachten mich dazu, das Angebot nicht anzunehmen, doch ich hatte mir fest vorgenommen das Büro mal von außen zu fotografieren. Als ich dann tatsächlich vor dem Büro stand und mich fotografieren ließ, fuhr ein Radfahrer vorbei und schaute mich erschrocken an. Es war Joe, der Chef von Overcross, welcher zufälligerweise in diesem Moment vorbeikam. Wir unterhielten uns und er bot mir an, mein Moped in die Garage vom Fuhrpark zu stellen. Am Abend übernachtete ich dann bei Lukas, den ich über die Platform Couchsurfing kennengelernt hatte. Dort kann man seine Wohnung als kostenlose Übernachtungsmöglichkeit anbieten. Das ist vorteilhaft für Reisende und man lernt viele interessante Menschen kennen. Am Abend zeigte Lukas mir die Stadt und wir aßen Pizza auf einer Mauer mit Stadtblick. 

 

3. Tag   11.09.2017   Tübingen - Bern   317km

 

An meinem dritten Tag konnte ich bis 8 Uhr ausschlafen, was auf so einer Reise ziemlicher Luxus ist. Als erstes ging ich zum Büro von Overcross und holte mein Moped ab. Joe gab mir für die Tour einen GPS-Sender mit, dass mir im Falle eines Notfalls in der Wüste geholfen werden kann. Als Gegenleistung brachten wir an meinem Benzinkanister vom Reisebüro Werbung an. Gegen 9.30 Uhr fuhr ich in Richtung Schweiz, unterwegs machte ich eine Rast mit Blick zur Burg Hohenzollern. Dort kam ich mit einem älteren Mann in Gespräch der mir erzählte, dass er jeden Morgen zum Kaffee trinken her kam. Nach ein bisschen Smalltalk fuhr ich weiter. Ich war auch ein bisschen aufgeregt, als ich die Grenze zur Schweiz betrat, denn ein Grenzübergang ist für mich mit Grenzkontrollen eine Stresssituation. Man weiß nie ob einen die Beamten mit dem Versicherungskennzeichen durchlassen. Aber wie so oft hatte ich Glück, wurde direkt durchgewunken und konnte meine Fahrt fortsetzen. Direkt im Grenzbereich auf der Brücke fing es stark an zu regnen und ich musste warten, weil ich in der Autoschlange stand. Das gleiche passierte mir auch damals als ich nach Russland 2016 mit dem Moped einreisen wollte. Diesmal spielte die Dunkelheit gegen mich. Das war auch ein stetiges Problem auf der Reise, der zeitige Sonnenuntergang. Ich weiß nicht warum, aber ich verwechselte mehrmals die Beschilderung Basel mit Bern und fuhr im zickzack einmal nach Basel und dann wieder nach Bern und so weiter... Bei Dunkelheit erreichte ich Bern, doch ich konnte mir die Stadt leider kaum anschauen. Ich fuhr zur meiner Gastgeberin Laura, die ich auch via Couchsurfing kennengelernt habe. Wir hatten alle einen netten Abend in ihrer WG und führten interessante Gespräche über unsere Reisen.

 

4. Tag   12.09.2017   Bern - Lyon   261km

 

Bei Nieselregen sollte es heute nach Lyon gehen. In Bezug auf Frankreich hatte ich eher gemischte Gefühle. Ich habe oft die Erfahrung gemacht dass viele Leute unfreundlich reagiert haben, weil ich ihre Sprache nicht spreche. Auch mit Englisch kam man meistens nicht weit. Ich fuhr nun also am Genfer See entlang in Richtung der französischen Grenze. Endlich kam auch die Sonne raus! Was mich am meisten überraschte: auch in der Schweiz wird Französisch gesprochen. In Frankreich quälte ich mich durch die hohen Berge, aber ich wurde mit fantastischen Ausblicken immer wieder belohnt. Unterwegs machte ich Rast an einem wunderschönen blauen See. Dort sprach mich ein Mann an, welcher mit seiner Frau unterwegs war. Die beiden waren Araber und wir führten einige interessante Gepräche. Er schenkte mir eine kleine Flasche Duftöl, welches ich dankend annahm in meine Jackentasche steckte. Später musste ich feststellen, dass das Fläschchen nicht dicht war und meine Tasche innerhalb kurzer Zeit in Öl getränkt war. So kam es dass ich den Rest der Reise von einem orientalischen Duft begleitet wurde.
In Lyon erkundete ich am Abend die schöne Stadt. Ich saß in einem kleinen Biergarten am Fluss mit tollen Ausblick. Ich hatte meinen kleinen Rucksack dabei und wollte mein Reisetagebuch herausholen um meine frisch gewonnenen Eindrücke nieder zuschreiben. Beim raus ziehen des Buches spürte ich eine Masse von breiiger Konsistenz an meinen Fingern. Es waren zermatschte Weißwürste aus Ingolstadt, welche ich komplett vergessen hatte. Ich schrieb also bei Bier und Sonnenuntergang noch ein paar Zeilen und ging zu später Stunde schlafen.

 

5. Tag   13.09.2017   Lyon - Montepellier   330km

 

Ich stand auf und schaute aus dem Fenster, wo mich strahlend blauer Himmel und Sonneschein erwarteten. "Endlich" dachte ich, denn die letzten Morgen waren eher grau. Ich packte mein Moped und trat den Kickstarter, als ich plötzlich auf meinem Visier ein paar Regentropfen bemerkte. Ich fluchte wie verrückt und zog meine Regenkleidung an. Angesäuert trat ich wieder den Kickstarter und in diesem Moment hörte der Regen wieder auf. Das war schlichtweg Mobbing!
Nun ging es nur noch Richtung Süden. Mein Tagesziel war das Mittelmeer, über meinen Schlafplatz hatte ich mir allerdings noch keine Gedanken gemacht. Nach der Hälfte der Strecke umgab mich dann diese "südliche" Atmosphäre, wie man es eben aus dem Mittelmeerraum kennt. Aus Weinbergen wurden Olivenbäume, die Menschen wurden freundlicher und ich konnte mich immer öfter auf Englisch verständigen. Der Süden von Frankreich fing mir an zu gefallen. Die Zeit spielte heute wieder gegen mich, die Sonne begann schon früh unterzugehen. Ich erreichte bei Montepellier das Mittelmeer nach fünf Tagen. Ich war richtig stolz und meine Laune stieg ins Unermessliche. Auf dem Zeltplatz war die Rezeption schon geschlossen, dennochich schlug mein Zelt trotzdem auf. Am nächsten Morgen wollte ich das Bezahlen dann natürlich nachholen. Abends setzte ich mich dann mit Musik und Bier an den Strand, wo ich bis tief in die Nacht blieb. Diese Prozedur wurde eine Art kleines Ritual in den nächsten Nächten. Rückblickend hat mir das nahezu am besten gefallen: dem Rauschen des Meeres zu lauschen und den Sonnenuntergang allein zu genießen. In tiefster Nacht verkroch ich mich dann in mein Zelt und schlief ein. Zum frühen Morgen machte ich eine tolle Entdeckung, als ... FORTSETZUNG FOLGT

Teil 2:     Entlang der Mittelmeerküste

 

6. Tag   14.09.2017   Montepellier - Llana   330km

 

Ich kroch aus dem Zelt heraus und mich begrüßte mein Zeltnachbar mit einer frischen Tasse Kaffee. So baute ich mein Zelt zusammen und startete in Richtung Spanien. Die Meeresluft lag mir jetzt die nächsten Tage stetig in der Nase. Der frühe morgen war noch etwas neblig, was sich aber schnell legte. So fuhr ich an einem großen See vorbei und ich wollte nicht so recht glauben was ich da sah. Es waren Flamingos! Nicht eins, nicht zwei, sondern hunderte die im Wasser entspannt herumstanden. Ich knippste ein paar Fotos und fuhr weiter. Die Wegsuche war heute ein wenig anstrengend, da die Beschilderung sehr mangelhaft war. Meine Pause machte ich direkt am Meer und in weiter Ferne sah ich schon die Pyrenäen. Ich überlegte ob ich heute noch durch das Gebirge fahren möchte oder erst morgen. Im Wetterbericht stand, dass es morgen regnen sollte und bei nasser Straße wollte ich keine steilen Kurven fahren. Gegen 14 Uhr sagte ich mir "Alex, du bezwingst noch heute den Pyrenäen-Pass!". Meine Fingerspitzen kribbelten etwas vor Aufregung, da die Straße auf der Landkarte schon sehr Kurvenreich aussah. Ich fuhr manchmal im ersten oder im zweiten Gang den Pass herauf. Der Seitenwind vom Meer wurde immer stärker und drückte mich immer zur Seite weg. Auf einer Aussichtsplattform machte ich eine Fotopause. Plötzlich gab es hinter mir einen Knall und es war mein Moped. Der Bremshebel ist abgebrochen und mein Helm lag unter der Simson, der ebenfalls beschädigt wurde. Ich fluchte so laut und war sauer auf mich selbst, da ich es geahnt hatte, dass der Wind zu stark war. Ich fuhr weiter und bemerkte, dass der Lenker ein wenig schief war. Hätte, Wäre, Wenn... waren danach meine Gedanken. Nach einiger Zeit war ich nur noch froh, dass nicht die komplette Simson den Abhang runter gefallen ist. Dann kam die Abfahrt und das Highlight des Tages. Eine Stunde ging es nun Berg ab und man konnte sich gut in die Kurven legen. Manchmal berührte ich mit meinen Taschen den Asphalt und musste langsamer machen. Der Himmel wurde plötzlich dunkel und suchte mir auf die schnelle einen Campingplatz. Die Rezeption war wieder geschlossen. Dabei fiel mir ein, dass ich heute morgen vergessen habe zu zahlen. Ich habe rechzeitig mein Zelt noch aufgebaut bevor der Regen begann.

Bevor ich schlafen gegangen bin sagte ich noch zum Moped "Willkommen in Spanien".

 

7. Tag   15.09.2017   Lluna - Barcelona   185km

 

Der Regen hörte kurz auf und ich nutzte die Chance mein Zelt abzubauen. Als ich meine Regenkombi an hatte, fiel mir ein "Du musst noch bezahlen", aber mein Geldbeutel war tief in der Jacke verstaut. "I dont care" und ich fuhr los. Ich hatte keine Lust nochmal alles auszuziehen. Bis Barcelona war der Himmel komplett schwarz und es hatte nur geregnet. Kurz vor Barcelona riss plötzlich die Wolkendecke auf und die Sonne kam durch. Ich stand am Stadtrand in einem Stau und plötzlich kamen von links ein paar Rufe auf Deutsch "Hey! Wo willst du denn mit deiner Simson hin?" Wir redeten kurz über meine Pläne. 14:30 Uhr erreichte ich mein Tagesziel. Die Sagrada Familia. Nach ein paar Fotos fuhr ich zum Hostel und checkte ein. Danach erkundete ich die Stadt. Gegen 22 Uhr trank ich im Hostel noch ein Bier und ging dann schlafen.

 

8. Tag   16.09.2017   Barcelona - Vinaros   344km

 

Die nächsten 2 Stunden bin ich nur noch mit dem Smartphone und GoogleMaps gefahren. Ich hatte keine Nerven mehr aus der Stadt herauszukommen. Irgendwann stand ich vorm Terminal am Flughafen. Fragt mich nicht wie ich es geschafft habe dort hinzukommen. Ich weiß es selbst nicht. Ab heute brauchte ich für die komplette Reise keine Regenkleidung mehr. Hätte ich das damals schon gewusst, dann wäre meine Freude grenzenlos gewesen. So fuhr ich nun entspannt am Meer entlang in Richtung Süden. Am Abend erreichte ich einen Campingplatz, der driekt am Mittelmeer war. Diesmal zahlte ich meine 10€ und kam mit meinen Campingnachbarn ins Gespräch. Bruno und Bettina luden mich direkt zum Abendessen ein. Wir unterhielten uns entspannt und nachher war ich noch im Meer baden. Ich hörte Musik und war in Gedanken verfallen. Beim Blick auf das Meer dachte ich über die derzeitige Situation am anderen Ende nach. Wie viele Menschen sind wohl gerade auf dem Massengrab unterwegs und erhoffen sich eine bessere Zukunft in Frieden? Heute Abend war ein stürmisches Wetter und stellte mir vor wie jetzt Leute mit einem Boot über diese Wellen fahren. Bei diesem Gedanken wird mir schlecht. Leicht betrübt legte ich mich in mein Zelt und schrieb meine Gedanken in mein Reisetagebuch. Als ich die Augen schloss, da hörte ich nur noch das Rauschen des Meeres und schlief ein.

 

9. Tag   17.09.2017   Vinaros - Los Narejos   345km

 

Der Tag begann diesmal etwas später, weil ich meinen Wecker überhört habe. Auf den Straßen waren heute sehr viele Rennradfahrer unterwegs. Lustig war, dass die Teilweise so schnell wie ich waren und ein Überholvorgang ewig gedauert hatte. Erst lachten sie immer als ich zum Überholen sehr lange brauchte und dann sah ich immer im Rückspiegel die verzogenen Gesichter wegen dem 2-Takt Geruch. Als ich am Abend am Meer saß, fiel mir ein, dass ich nur noch zwei harte Brötchen aus Barcelona und zwei Dosenbier besitze. Ich hatte vergessen einzukaufen. Das war mein Abendbrot für heute. Gegen 22 Uhr bemerkte ich die vielen Mücken um mich herum und ich wollte schnell zum Zelt. Doch das Tor zum Campingplatz war verschlossen. Ich hatte zwei Optionen. Die erste war: ich trete das Tor ein und die zweite, ich kletter drüber. Ich habe mich für das Klettern entschieden. Problem war aber, dass oben am 2m Tor ein wenig Draht gespannt wurde und alles dunkel war. Es gab kein zurück mehr als ich diesen Zustand bemerkte. Ich sprang von ganz oben über den Draht auf den Boden. Ich landete sehr bescheiden und nun kam auch noch ein Hund bellend angerannt. Aus Panik habe ich den ein altes Stück Brot hingeschmissen und er nahm es dankend an und rannte wieder fort. Glück gehabt, aber der Campingplatzbesitzer sollte sich lieber einen anderen Wachhund zulegen.

10. Tag   18.09.2017   Los Narejos - Almeria  322km

 

Die Straßenbeschilderung für Landstraßen sind nicht gut durchdacht. Leider verfahre ich mich öfters einmal oder stehe mitten an einer Kreuzung fragend da. Unterwegs in einer Stadt sprach mich jemand begeistert an und wollte das ich ihn am Abend gesellschaft leiste. Es war aber gerade einmal 14 Uhr und versuchte ihm zu erklären, dass ich heute noch mindestens 50km fahren muss. Da ich einen engen Zeitplan habe. Er meinte nur: "Heute oder morgen, es ist doch egal. Ein moment". Er lief in ein Cafe hinein und ich nutzte die Chance um abzuhauen. Ich war nicht gerade sehr Stolz auf diese Aktion, aber mein nein wollte er ja nicht verstehen. Die Zeltplatzsuche war an diesem Abend auch etwas abenteuerlich. Ich fuhr seit 15min durch eine "Stadt" aus Gewächshäusern, wo Gurken angebaut wurden. Es war eine riesen Plantage. Ohne Navi hätte ich dort nicht mehr herausgefunden. Irgendwann mitten in der Plantage kam ein Schild "Campingplatz Las Vegas". Ich zahlte 13€ und schlug mein Zelt auf. Am Abend machte ich es mir wieder gemütlich am Meer und genoss den Sonnenuntergang. Da habe ich noch nicht gehant, dass mich morgen früh das Spanische Sondereinsatzkommando anhalten würde.

 

11. Tag   19.09.2017   Almeria - Santa Margarita   330km

 

Ich fuhr die Plantagen entlang und plötzlich war vor mir eine Straßensperre. Maschiengewehre auf Anschlag und mir wurde deutlich gemacht "STOP!" Eine Polizistin kam auf mich zu und wollte meinen Personalausweis. Nach einer gründlichen Kontrolle winkte sie mit der Hand und die Maschinenpistolen senkten sich. Sie wollte wissen wo ich hin möchte und daruf antwortete ich mit "Sahara". Sie lachte, die Kollegen lachten und ich habe mitgelacht. Plötzlich waren alle ganz begeistert und machten Fotos mit mir. Sie sagten mir nur es sei hier gefährlich durch die ganzen Migranten die hier umherlaufen. Mir fielen zwar die vielen farbigen auf, aber eigentlich grüßten die mich immer freundlich. Nach was bzw. wem sie suchten sagten sie mir nicht. Nach dieser komischen Situation fuhr ich verwirrt weiter. Dieser Tag war wieder einmal voller Berge. Ich hätte die Südküste nie so bergig eingeschätzt. Hin und wieder bin ich ein Stück auf der Autobahn gefahren, weil es manchmal nicht anders ging. Auf einmal tauchte er auf, der Felsen von Gibraltar. Ich war so glücklich und auch ein wenig Stolz auf meine bisherige Leistung. Ich fuhr zum Zeltplatz, baute schnell mein Zelt auf und ging zum Strand. Dann sah ich es schon im Hintergrund schimmern. Afrika. Es war ein Moment der Stille, der Zufriedenheit und auch Angespanntheit. Die ganzen Strapazen bis hier her und nun ist es morgen soweit. Ich war komplett in mich gekehrt. Ich wollte es noch nicht ganz begreifen. Es war alles so unwahr.

"Was wird mich dort auf der anderen Seite erwarten? Werden die Menschen freundlich sein? Komme ich gesund und mit Moped wieder zurück?" Im Zelt checkte ich meine Seite auf Facebook und hatte eine Nachricht von einem Sebastian. Er fragte mich, ob ich vor 10 Tagen kurz vor Zwickau eine Gruppe Simsonfahrer gesehen hätte im frühen Morgen. Ich antwortete mit "Ja". Er schrieb mir, dass die meine Reise seit Beginn verfolgen und mich auf ihrer Seite auf Facebook unterstützen. Sie nennen sich Simson Brüder Zwickau. Ich freute mich sehr darüber, dass es Leute gibt die sich für meine Reisen interessieren. Von nun an hatte ich wieder jemand mit den ich öfters auf dieser Reise schrieb.

 

So schlief ich gegen Mitternacht ein. Hätte ich da nur schon geahnt, dass ich morgen von Verbrechern ausgenommen werde.

Fortsetzung folgt...

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